Wie Betriebliches Gesundheitsmanagement finanziell wirkt

Veröffentlicht am 02.02.2026 · Kategorie: Betriebliches Gesundheitsmanagement

Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) wird in vielen Unternehmen noch immer als „Soft-Thema“ eingeordnet: nett, sinnvoll, aber nicht zwingend. Wer so denkt, betrachtet Gesundheit vor allem als Benefit – und übersieht, dass BGM im Kern ein wirtschaftliches Steuerungsinstrument ist. Denn Gesundheit beeinflusst genau die Kennzahlen, die Unternehmen jeden Monat spüren: Fehlzeiten, Produktivität, Fluktuation, Recruiting-Kosten, Einarbeitungsaufwand, Qualitätsrisiken und Führungskapazitäten.

Die Frage ist deshalb nicht, ob BGM Geld kostet. Die Frage ist: Wo entstehen heute bereits Kosten durch vermeidbare Belastungen – und wie viel davon lässt sich durch ein gutes BGM reduzieren?

Dieser Artikel zeigt, wie sich BGM finanziell auswirkt, welche Kostenarten typischerweise unterschätzt werden und wie du eine nachvollziehbare ROI-Logik aufbauen kannst. Besonderer Fokus: Mitarbeiterbindung – weil sie häufig der größte, aber am wenigsten sauber gerechnete Hebel ist.

Warum ROI im BGM nicht nur „Fehlzeiten“ bedeutet

Viele ROI-Diskussionen rund um Gesundheit starten bei Krankheitstagen. Das ist verständlich, weil Fehlzeiten messbar sind. Aber in der Praxis ist das nur ein Teil der wirtschaftlichen Wirkung. BGM wirkt auf mehreren Ebenen gleichzeitig:

Erstens reduziert es Ausfälle – durch bessere Prävention, passgenauere Maßnahmen und frühere Orientierung.
Zweitens verbessert es die Leistungsfähigkeit im Arbeitsalltag – besonders dort, wo Mitarbeitende zwar anwesend, aber dauerhaft überlastet sind.
Drittens stabilisiert es Teams – weniger Konflikte, weniger Reibung, weniger Koordinationschaos.
Viertens stärkt es Bindung – und genau hier verstecken sich oft die größten finanziellen Effekte.

ROI im BGM ist deshalb nicht „ein Wert“. Es ist ein Bündel aus Effekten, das sich je nach Branche und Ausgangslage unterschiedlich zusammensetzt.

Der teuerste Posten ist oft unsichtbar: Fluktuation

Das Bild, das du oben siehst, trifft einen wunden Punkt sehr gut: Wenn Mitarbeitende gehen, entstehen Kosten, die in keiner Rechnung vollständig auftauchen – obwohl sie real sind.

Viele Unternehmen rechnen Fluktuation zu kurz. Es wird vielleicht noch Recruiting berücksichtigt, manchmal ein Onboarding-Aufwand. Was häufig fehlt: der Zeitraum, in dem Leistung sinkt oder nicht verfügbar ist, die Mehrbelastung im Team, die Koordinationsverluste, Fehlerquoten, Kundenrisiken, interne Reibung und Wissen, das schlicht verschwindet.

Gerade diese „versteckten Kosten“ machen Mitarbeiterabgänge so teuer. Und genau dort wirkt BGM, wenn es ernsthaft betrieben wird: nicht als Obstkorb-Programm, sondern als System, das Arbeitsfähigkeit, Belastung, Führung und Kultur beeinflusst.

Wie BGM Mitarbeiterbindung konkret verbessert

Menschen verlassen selten ausschließlich „das Unternehmen“. Oft verlassen sie einen Mix aus dauerhafter Überlastung, fehlender Wertschätzung, schlechter Planbarkeit, Konflikten, unklarer Führung oder dem Gefühl, dass Arbeitsbedingungen dauerhaft gegen sie arbeiten.

Ein wirksames BGM setzt genau dort an – nicht mit „Wellness“, sondern mit einem professionellen Blick auf Arbeit:

  • Werden Belastungen erkannt, bevor sie chronisch werden?

  • Gibt es Strukturen, die Pausen, Regeneration und konzentriertes Arbeiten ermöglichen?

  • Haben Führungskräfte Werkzeuge, um Überforderung zu sehen und gut zu steuern?

  • Sind Kommunikation und Zusammenarbeit so gestaltet, dass Konflikte nicht eskalieren?

  • Werden Mitarbeitende beteiligt und ernst genommen, statt „bespielt“?

Wenn diese Punkte besser werden, sinkt nicht nur das Risiko von Ausfällen. Es sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass Mitarbeitende innerlich kündigen oder tatsächlich gehen.

Warum BGM beim Geld oft indirekt wirkt – aber dadurch stabiler

Viele wünschen sich einen direkten Beweis: „Wir investieren X und sparen Y.“ In der Realität funktioniert das manchmal, aber nicht immer so linear. BGM wirkt häufig indirekt – und genau das macht es stabil.

Beispiel: Ein Unternehmen verbessert Arbeitsorganisation, Führungskommunikation und Pausenkultur. Das führt nicht zwingend sofort zu einem abrupten Fehlzeitensturz. Aber es kann Folgendes bewirken:

  • weniger Eskalationen im Team

  • weniger Fehler unter Zeitdruck

  • weniger kurzfristige Ausfälle

  • geringere Wechselbereitschaft

  • bessere Leistungsfähigkeit im Alltag

  • mehr Stabilität in Projekten

Diese Effekte sind wirtschaftlich hoch relevant, aber sie brauchen ein sauberes Vorgehen: Analyse, gezielte Umsetzung, Transfer in den Alltag und Nachsteuerung. Genau deshalb scheitern viele Initiativen: Sie sind eventbasiert statt systematisch.

Praxisnah gedacht: Wo BGM ROI erzeugt

In der Praxis lassen sich vier ROI-Felder unterscheiden, die Unternehmen besonders häufig sehen:

1) Fehlzeiten und Ausfallfolgen

Fehlzeiten sind nicht nur Lohnfortzahlung. Sie erzeugen Störungen: Vertretungen, Überstunden, Qualitätsrisiken, Projektverzögerungen. BGM reduziert diese Kosten, wenn es Belastungen gezielt reduziert und Prävention sinnvoll steuert.

2) Produktivität und Leistungsfähigkeit im Alltag

Viele Kosten entstehen durch „funktionierende Überlastung“. Mitarbeitende sind da, aber arbeiten unter permanentem Druck. Das senkt Qualität, erhöht Fehler und frisst Führungskapazität. BGM wirkt hier durch bessere Arbeitsgestaltung und klare Strukturen.

3) Fluktuation, Recruiting und Einarbeitung

Jeder Abgang löst Ketteneffekte aus: Suche, Auswahl, Preboarding, Onboarding, Ramp-up. BGM reduziert Abgänge, weil es Arbeitsbedingungen verbessert und Bindung stärkt.

4) Kultur- und Führungsstabilität

Kultur klingt weich, ist aber knallhart wirtschaftlich: Gute Zusammenarbeit spart Zeit. Schlechte Zusammenarbeit kostet täglich Geld. BGM stärkt Kultur indirekt über Kommunikation, Beteiligung, Führung und transparente Prozesse.

Beispielrechnung: So kannst du ROI über Mitarbeiterbindung seriös kalkulieren

Wichtig vorweg: Eine seriöse Beispielrechnung arbeitet nicht mit Fantasiezahlen, sondern mit deinen realen Unternehmenswerten. Der Rechenweg sieht typischerweise so aus:

Schritt 1: Kosten pro Abgang sauber strukturieren

Du kannst sie – ähnlich wie im Bild – in Kategorien aufteilen:

Sichtbare Kosten (direkt zugeordnet):

  • Recruiting (Anzeigen, Agentur, HR-Zeit)

  • Preboarding/IT-Setup/Administration

  • ggf. Vertrags- und Übergabekosten

Versteckte Kosten (wirtschaftliche Folgen):

  • Produktivitätsverlust vor Austritt (Motivation, Fokus, Übergabe)

  • Produktivitätsverlust während Kündigungsfrist/Restlaufzeit

  • Vakanz-Zeit (Stelle unbesetzt)

  • Mehrlast und Koordinationsaufwand im Team

  • Ramp-up nach Eintritt (Einarbeitung bis volle Leistung)

  • Wissensverlust, Fehlerkosten, Qualitätseinbußen

  • Kunden- und Reputationsrisiken (je nach Rolle)

Am Ende hast du eine realistische Kosten-pro-Abgang-Schätzung. Die muss nicht auf den Euro exakt sein – aber plausibel und nachvollziehbar.

Schritt 2: Ausgangslage definieren
  • Wie viele Abgänge pro Jahr gibt es in der relevanten Zielgruppe?

  • Wo ist die Fluktuation besonders hoch (Bereiche, Rollen, Führungsspannen)?

  • Welche Abgänge sind „kritisch“ (Schlüsselrollen, schwer zu besetzen)?

Schritt 3: Wirkung realistisch ansetzen

BGM senkt nicht automatisch Fluktuation. Es senkt Fluktuation dann, wenn es die echten Treiber adressiert (Belastung, Führung, Organisation, Kultur). In einer seriösen Rechnung setzt du deshalb konservativ an:

  • Welche Reduktion wäre realistisch, wenn Arbeitsbedingungen spürbar verbessert werden?

  • Welche Zielgruppe ist überhaupt beeinflussbar (freiwillige Abgänge vs. strukturelle Wechsel)?

Schritt 4: ROI ableiten

ROI kann dann sehr einfach als Verhältnis dargestellt werden:

(Einsparungen durch vermiedene Abgänge + weitere Effekte) – Investition in BGM
geteilt durch
Investition in BGM

Oder praxisnaher:

  • Einsparung pro vermiedenem Abgang × Anzahl vermiedener Abgänge
    = Einsparung Mitarbeiterbindung

Wenn du zusätzlich Fehlzeiten- oder Produktivitätsgewinne berücksichtigen willst, addierst du diese konservativ dazu.

Fazit: ROI im BGM entsteht dort, wo Unternehmen ohnehin schon zahlen

BGM spart nicht irgendwo abstrakt Geld. Es spart Geld dort, wo Unternehmen jeden Monat zahlen – nur oft unbewusst: durch Ausfälle, Reibung, Fluktuation, Fehler und Führungsschwund.

Der wichtigste Perspektivwechsel lautet:
BGM ist nicht „extra“. Es ist eine Form, Arbeit so zu gestalten, dass Menschen leistungsfähig bleiben und Unternehmen stabil laufen.

Wer BGM als systematischen Prozess versteht – nicht als Event, nicht als Einzelmaßnahme – schafft die Grundlage dafür, dass die finanziellen Effekte nicht nur möglich, sondern wahrscheinlich werden.

Die drei wichtigsten Learnings

Am Ende lassen sich wirtschaftlich wirksame BGM-Ansätze auf drei Prinzipien herunterbrechen:

  1. Ohne Analyse wird ROI zur Fantasie. Erst wenn Belastungen und Treiber klar sind, lassen sich wirksame Hebel wählen.

  2. Der Wert entsteht nach der Maßnahme. Nachbereiten, Auswerten und Transfer in den Alltag entscheiden über Wirkung.

  3. Bindung ist der unterschätzte ROI-Hebel. Wer Fluktuation reduziert, spart oft mehr als über klassische Fehlzeitenrechnungen.

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